40 Jahre Frauenkreis – und es gibt ihn immer noch

Als ich am 1. September 1990 meinen Dienst als Gemeindeschwester in Kapfenberg antrat, hätte ich nie gedacht, dass es den Frauenkreis 2017 noch geben würde. Der Anlass für diese Gedanken war ganz einfach: Die Kinder- und Jugendarbeit, der Kirchenbesuch und die Teilnahme an Gemeindefesten wurden deutlich weniger. Eine meiner Aufgaben war es, Mag.a Sigrid Schlamberger bei der Gestaltung des Frauenkreises zu unterstützen.
Heute – 27 Jahre später – stelle ich mit Staunen fest “…und es gibt ihn immer noch”.

Es begann im Jahre 1977. In dieser geburtenreichen Zeit brachten die Mütter ihre Kinder brav in den Gemeindesaal im Pfarrhaus und wenn kein Pfarrer zur Verfügung stand, hielten eben die Mütter den Gottesdienst. Diese wollten sich näher kennenlernen, und so reifte der Gedanke an einen Frauenkreis. Eine der Mütter war die Religionslehrerin und Frau des damaligen Pfarrers, Hildegard Held. Sie ließ den Gedanken Taten folgen. Beim 1. Treffen kamen etwa 70 Frauen, was heute kaum vorstellbar ist. Einige der Damaligen hielten bis heute durch.
Neben dem Praktischen, wie das Putzen der Kirche, über das Ausrichten der Bewirtung bei Festen und Bischofsbesuchen fanden auch tagespolitische Themen Platz und Aufarbeitung.
1989 übernahm Frau Mag.a Sigrid Schlamberger die Leitung des Frauenkreises.
Wir treffen uns 14tägig zum gemeinsamen Arbeiten mit der Bibel, behandeln aktuelle gesellschaftspolitische Themen, diskutieren, erarbeiten geschichtliche und Frauenthemen, die immer mehr in die Tiefe gehen. Natürlich „menschelt“ es auch bei uns und wir sind stolz darauf, gelernt zu haben, dass DAS auch sein darf. Auf die Frage: „Hält unsere Freundschaft das aus?“ Können wir mit gutem Gewissen antworten: „JA!“ Die 2. Hälfte des Frauenkreises gehört immer der Unterhaltung, dem Feiern von Geburtstagen, persönlichen Gesprächen oder heftiger Diskussion über vorher Gehörtes. Das tut jeder gut, weil einige zu Hause niemandem mehr zum Reden haben. Wenn Frauen in Pension gehen oder den Partner verlieren, finden sie gerne den Weg zu unserer Gruppe und damit neue Freundinnen, die sie womöglich schon seit ihrer Schulzeit kennen.

Für mich ist der Frauenkreis die tragende Mauer unserer Pfarrgemeinde, bestehend aus vielen einzelnen „Ziegelsteinen“, die durch den „Mörtel“ Glaube – Hoffnung – Liebe zusammengehalten werden.

Judith Gaar

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