Zum 75. Todestag von Dietrich Bonhoeffer

Nachdem sich heute zum 75. Mal der Todestag von Dietrich Bonhoeffer jährt und mit dem Abend des Gründonnerstags der Vorabend zum Karfreitag ist, erlaube ich mir in und trotz aller Geschäftigkeiten in und trotz der aktuellen Situation einen Text zu verschicken, der mich in diesen Tagen wieder sehr umgetrieben hat. Es handelt sich um den Brief an Eberhard Bethge vom 21.8.1944 (DBW 8, S. 572.574 i. Ausz.):

… Alles, was wir mit Recht von Gott erwarten, erbitten dürfen, ist in Jesus Christus zu finden. Was ein Gott, so wie wir ihn uns denken, alles tun müßte und könnte, damit hat der Gott Jesu Christi nichts zu tun. Wir müssen uns immer wieder sehr lange und sehr ruhig in das Leben, Sprechen, Handeln, Leiden und Sterben Jesu versenken, um zu erkennen, was Gott verheißt und was er erfüllt. Gewiß ist, daß wir immer in der Nähe und unter der Gegenwart Gottes leben dürfen und daß dieses Leben für uns ein ganz neues Leben ist; daß es für uns nichts Unmögliches mehr gibt, weil es für Gott nichts Unmögliches gibt; daß keine irdische Macht uns anrühren kann ohne Gottes Willen, und daß Gefahr und Not uns nur näher zu Gott treibt; gewiß ist, daß wir nichts zu beanspruchen haben und doch alles erbitten dürfen; gewiß ist, daß im Leiden unsre Freude, im Sterben unser Leben verborgen ist; gewiß ist, daß wir in dem allen in einer Gemeinschaft stehen, die uns trägt. Zu all dem hat Gott in Jesus ja und Amen gesagt. Dieses Ja und Amen ist der feste Boden, auf dem wir stehen. Immer wieder in dieser turbulenten Zeit verlieren wir aus dem Auge, warum es sich eigentlich zu leben lohnt. Wir meinen, weil dieser oder jener Mensch lebe, habe es auch für uns Sinn zu leben. In Wahrheit aber ist es doch so: Wenn die Erde gewürdigt wurde, den Menschen Jesus Christus zu tragen, wenn ein Mensch wie Jesus gelebt hat, dann und nur dann hat es für uns Menschen einen Sinn zu leben. Hätte Jesus nicht gelebt, dann wäre unser Leben trotz aller anderen Menschen, die wir kennen, verehren und lieben, sinnlos …

Mit Roland Biewald in seinem leider vergriffenen Buch (Dietrich Bonhoeffer lesen und verstehen, Leipzig 2006) darf ich folgende Fragen zum Text stellen:

  • Welche Gemeinschaft trägt mich?
  • Welche Gewissheit bestimmt mein Leben?
  • Was garantiert mir den Sinn des Lebens?
  • Wofür lohnt es sich für mich zu leben?
  • Was bedeutet für mich in diesem Zusammenhang Jesus Christus?

Der Brief schließt mit “Leb wohl, bleib gesund und zuversichtlich […]”

So lebt wohl, bleibt gesund und zuversichtlich
Ihr Pfr. Rudolf Waron

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